Dienstag, 6. Mai 2008

Dritter Blogeintrag von Alija

Im letzten Teil ist mir aufgefallen, dass der Vater Mühe hat, seine Gefühle zu zeigen. Beispielsweise mit seiner Mutter, die gestorben ist. Er hat sie selten besucht, obwohl sie ihm einiges bedeutete. Leider konnte er dies erst zeigen, als sie starb. Seine Reaktion auf den Tod war ziemlich extrem. Tagelang im Zimmer eingeschlossen versuchte er seine Trauer zu verarbeiten.
In diesem Teil fiel mir auch etwas bezüglich der Erzählerin/Tochter auf. Auf Seite 79 macht sie sich einige gute Gedanken. Für sie war die Grossmutter eine aussergewöhnliche Frau, weil sie es fertigbrachte, nichts zu tun. Ehrlich, wer findet dies eine Kunst? Die Meisten denken sich: "Ach, das ist ja einfach und keine Kunst." Als ich darüber nachgedacht habe, fand ich heraus, dass ich eigentlich immer irgendetwas machen muss. Auch wenn ich nur auf dem Bett sitze und aus dem Fenster schaue, muss ich beispielsweise Musik hören oder sonst irgendetwas tun. Der Vater konnte diese Überlegungen jedoch nicht verstehen, für ihn war sie einfach eine einfache Frau aus armen Verhältnissen.

Die Probleme versucht der Vater mit Gewalt zu lösen. Wenn irgendetwas nicht so lief, wie er es gerne hätte, dann musste er zuschlagen. Die Weichheit des Bruders und die Verstocktheit der Tochter brachten ihn in Rage und sofort musste er zuschlagen. Dies ist eine ziemlich schlechte Problemlösung und führt zu nichts, ausser das die Kinder Angst vor ihm bekommen. Vielleicht ist Angst für ihn eine gewisse Art Respekt und vielleicht fühlt er sich so anerkannt.

Die Macht des Vaters wiederspiegelt sich auch in einer anderen Situation und zwar wenn er nicht mehr mit der Tochter sprach aus irgend einem Grund, dann durften die anderen auch nicht mit ihr sprechen. Die Tochter ist eigentlich die Einzige, die irgendwie nicht immer gehorcht, sondern auch mal stur bleibt und sich nicht immer unterwirft. Doch dies nützt nicht wirklich viel, weil die anderen Zwei sie in diesem Punkt nicht unterstützen, sonst würde diese Familie wahrscheinlich nicht so laufen, wie sie jetzt ist.

Wie die Familie das Geld verwaltet, ist für mich auch ein grosses Fragezeichen. Die Mutter versucht das Geld vernünftig auszugeben und auch einzuteilen, weil sie ja nicht zu viel davon hatten. Der Vater hingegen war ziemlich verschwenderisch und hat es zum Fenster hinausgeschmissen. Einfach unverständlich, wieviel diese Mutter sich gefallen lässt.

Ich versuchte mir immer zu sagen, dass dieses Buch vielleicht zu einer Zeit ist, in der der Vater das Sagen hat und in der die Anderen sich unterwerfen müssen. Ins Zweifeln kam ich, als ich auf Seite 92 las, dass es eigentlich viele Familien gab, die nicht so lebten und moderner waren als diese der Erzählerin. Es wird zwar nicht geschrieben, dass der Vater anders war in anderen Familien, aber es scheint mir irgendwie so.

Der ach so starke Vater war in Wirklichkeit leider alles andere als so stark. Probleme mit Gewalt lösen, Haushalt ohne Frau nicht meistern, die Frau sogar aus dem Spital zu holen, obwohl der Arzt es für schlecht hielt, sind alles Indizien dafür. Auch redet sich der Vater ein, dass es in seiner richtigen Familie keine Verbote gibt, aber seine dominante Art waren genauso Verbote, weil sich die Familie so untergeworfen hat. Sie passten sich so an ihn an, dass er seine Verbote nicht so äussern musste, es wurde einfach alles so gemacht, wie er es gerne hätte.

Dieses Buch handelt eigentlich genau in der Zeitspanne von 4 Stunden. Man erfährt aber einiges in dieser kurzen Zeit. Der Schluss hat mir nicht gefallen, weil es so sinnlos aufhört. Es zeigt zwar, dass die Mutter genug hat und die Muscheln wegwirft, doch ich hätte mir etwas anderes erhofft. Ein offenes End hat positive und negative Seiten. Das es in diesem Buch ein offenes Ende gibt, konnte ich mir denken, doch hätte ich noch einwenig mehr erwartet. Alles in allem war es eine neue Erfahrung, ein Buch mit solch einem Schreibstiel zu lesen, aber ich würde es niemandem weiterempfehlen, weil es nicht wirklich spannend ist und nicht meinem Geschmack entspricht.

2 Kommentare:

Stefan hat gesagt…

Ich bin eigentllch einverstanden mit deinen Überlegungnen. Vom Ende war ich auch sehr entäuscht. Ich hätte da auch ein wenig mehr erwartet...
In einem Punkt bin ich nicht der gleichen Meinung: das Buch fand ich interessant und (im Gegensatz zu dir) sehr spannend. Es war sehr spannend zu lesen, wie die Familie zusammen lebte und welche familiären Probleme sie hatten.

stefibizi hat gesagt…

Dein Text ist sehr gut. Ich finde es gut, dass du dir Gedanken machst, weshalb die Familie sich so verhaltet und wieso sie etwas anderst ist als andere Familien.
Zu deinem Eindruck des Buches stimme ich dir völlig zu. Ich bin der gleichen Meinung. Ich persönlich fand es auch nicht sehr spannend. Manchmal überlegte ich mir, ob ich den Schluss lesen soll, da im Buch zu viele Nebensächliche Dinge erwähnt werden.